Quelle: www.kreiszeitung.de vom 06.06.2009
Rubrik: Bruchhausen-Vilsen
|Drucken|

"Noch Platz für ein Sporthotel"

Asendorfer weihten gestern ihre neue Sportanlage mit Umlaufbahn ein / ′Mutterboden verzockt′

Nur auf diesem Foto sind (v.l.) Hans-Heinrich Ullmann, Chef des Fördervereins der Feuerwehr, Samtgemeindebürgermeister Horst Wiesch, Asendorfs Bürgermeister Wolfgang Heere und TSV-Vorsitzender Jürgen Mohrmann gegeneinander angetreten. Den Bau des Sportplatzes hatten sie gemeinsam auf den Weg gebracht - sehr zur Freude von Ulrike Schröder, Leiterin der Leichtathletik-Sparte im TSV. Foto: Hapke

Von Andreas Hapke

ASENDORF Asendorfs Leichtathletik-Hoffnung Nele Eckhardt fährt Ende Juli zur U18-Weltmeisterschaft in Brixen (Italien), eine Wettbewerbsgruppe der Feuerwehr im selben Monat zur Olympiade in Ostrava (Tschechien). Wo sollen die Erfolge noch hinführen - jetzt, wo die Asendorfer einen neuen Sportplatz mit Umlaufbahn gebaut haben?

Über den Namen für die Sportanlage mit Veranstaltungsplatz waren sich die Redner bei der gestrigen Einweihung noch uneins. Bürgermeister Wolfgang Heere sprach zunächst von einem Sportleistungszentrum. Später zitierte er aus einem 60 Jahre alten Buch mit Standard-Reden für Bürgermeister zu jedem Anlass. Dort war von dem Sportplatz als "Ackerland des Gemeinwesens" die Rede. Hans-Heinrich Ullmann, Chef des Fördervereins der Feuerwehr, wollte die Anlage als "Leistungszentrum des Deutschen Feuerwehrverbands" reklamieren.

Einigkeit herrschte darin, dass der Bau das Ergebnis einer gemeinsamen Anstrengung sei. Samtgemeindebürgermeister Horst Wiesch zog den Hut vor der "unwiderstehlichen Koalition aus Sportverein, Förderverein der Feuerwehr und Gemeinde Asendorf". Sie habe die Samtgemeinde überzeugt, nach "kritischen Diskussionen" einen festen Geldbetrag zur Verfügung zu stellen: 355000 Euro.

Trotzdem blieb laut Heere ein finanzielles Loch von 169000 Euro, dass Gemeinde (70000 Euro), TSV (20000 Euro) und Förderverein (10000 Euro) zum größten Teil schlossen. Den Rest erbrachten Verein und Feuerwehr in Eigenleistungen, auf die TSV-Vorsitzender Jürgen Mohrmann verwies: 3500 Stunden für den Sportplatz und 2500 Stunden für das Funktionsgebäude. "Wir könnten uns jetzt mit den Arbeiten selbständig machen, wollen uns aber erst mal ein halbes Jahr ausruhen", meinte Mohrmann. Er selbst hatte 250 Stunden investiert.

Wie erfinderisch finanzielle Not macht, erklärte Heere an einem Beispiel: Für das Abtragen des Mutterbodens seien 25000 Euro veranschlagt gewesen. "Dann haben Ullmann, Mohrmann und ich den Mutterboden verzockt. Das hat uns also nichts gekostet, sondern wir haben noch Geld verdient."

Inge Schmidt-Grabia, stellvertretende Vorsitzende des Kreissportbundes (KSB), gratulierte zu der "bombastischen Leistung", zu der der KSB mit einer fünfstelligen Summe beigetragen hätte. Mit den neuen Voraussetzungen erwarte sie, dass der TSV innerhalb von drei Jahren in der Liste der 20 mitgliederstärksten Vereine des Kreises von Platz 19 auf 15 klettere. Noch ehrgeizigere Ziele formulierte Ullmann: "Wir haben eine Fläche bis zur Vilser Straße. Wenn hier erst mal das Sporthotel steht..." Ja was dann? Ullmann ließ den Satz unvollendet. Könnten sich die Asendorfer dann für ein internationales Leichtathletik-Meeting bewerben? So weit wollte selbst in der Euphorie der Einweihung niemand gehen. Heere wäre es schon recht, wenn die Anlage immer mit Leben erfüllt wäre: "Der Platz soll Mängel durch Abnutzung bekommen, nicht durch Zuwuchern."




© Kreiszeitung Verlagsgesellschaft mbH & Co KG
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung vom Kreiszeitung Verlagsgesellschaft mbH & Co KG

zurück zum Artikel